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Homophobie ist heilbar!



En vacances en France VII

2 Kommentare

Während Marcel duschte, dachte er über den Nachmittag nach. Er fand es immer noch seltsam, dass Jannik ihn angesprochen hatte. Außerdem verhielt er sich etwas kindisch.
„Wer kitzelt einen schon an den Füßen?“, fragte er sich und fand keine Antwort.
„Seine Art gefällt mir! Immer witzig, immer cool drauf, aber sein Verhalten …“ Er verwarf den Gedanken und wühlte in seinem Kleiderschrank. Das grüne T-Shirt zog er an und schlüpfte in seine stone-washed Röhrenjeans, seine Lieblingshose.
Der Junge klopfte an den Rahmen der Verbindungstür.
„Na, schon fertig?“, fragte seine Mutter. Ihr Sohn nickte.
„Dein Vater braucht noch ein wenig. Er hat es zu gut gemeint mit der Sonne. Der ganze Rücken ist puterrot.“
„Gar nicht!“, tönte es aus dem Bad.
Er setzte sich zu den beiden aufs Bett.
„Na ja. Ein klein wenig bist du doch verbrannt“, untertrieb sein Sohn.
„Hmpf.“
Geschlossen gingen sie die Treppen hinunter zum Restaurant, in dem nur wenige Leute saßen. Marcel erblickte Jannik und nickte ihm zu. Ihre Eltern grüßten einander.
„Freundliche Leute“, bemerkte sein Vater.

Das Büffet war reichhaltig und typisch französisch ausgerichtet. Sich den Sitten anpassend, tranken sie Wein. Nur die Jugendlichen nicht; das sei spießig und schmecke eh nicht.

Als Marcel satt war, bat er, schon aufstehen zu dürfen.
„Ist okay, geh du schon mal.“
Dankend nickte er ihnen zu. Flugs begab er sich in die Lobby und ließ sich auf eins der großen Sofas plumpsen. Seine Vermutung bestätigte sich, als er tief in dem Stoff versank. Es fühlte sich wunderbar weich an, auch wenn er sich nun sehr klein fühlte. Ein hastiger Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es er noch zehn Minuten Zeit für sich hatte. Er schloss die Augen und döste ein wenig.
Marcel schreckte auf, als ihm jemand auf seinen Oberschenkel klopfte.
„Was? Oh, du bist es. Bin wohl weggenickt“, sagte er und rieb sich den Nacken.
„Hab ich gesehen“, lachte Jannik, der leicht gebeugt vor ihm stand.
„Nun“, er setzte sich behutsam neben ihn und versank ebenso, „was wollen wir machen? Bleiben wir hier sitzen und hoffen, nachher noch aufstehen zu können oder gehen wir draußen noch ein wenig spazieren? Habe gerade mal einen Blick durch die Tür geworfen. Die Sonne geht gerade unter und es ist noch voll warm. Was sagst du?“
„Hört sich gut an“, stimmte Marcel zu und erhob sich.

Jannik hatte recht. Die Wärme umfing sie wie ein Tuch, als sie die klimatisierte Lobby verließen.
Aus der Ferne sah man ein Segelboot näher kommen, das im Hafen anlegen würde. Die zwei standen an der Stirnseite des Vieux Port [Alter Hafen].
„Hast du eine Ahnung, wo wir am besten langgehen?“, fragte Marcel.
„Ja klar! Ich hab doch vorhin gesagt, dass wir das eine Jahr all den touristischen Rummel mitgemacht haben. Komm, hier lang!“
Er zog Marcel am Ärmel hinter sich her.
Der Jüngere ergriff das Wort: „Du, ich weiß nicht, ob ich dich das fragen soll, aber …“
Es verschlug ihm den Atem.
Sie standen vor der Cathédrale de la Major [Kathedrale La Major].
„Die ist ja gewaltig!“, hauchte er.
„Und du hast sie bis jetzt nur von außen gesehen. Leider sind die Besuchszeiten ausschließlich bis zum frühen Abend. Aber wenn du willst, können wir morgen noch mal hierher kommen.“
„Au ja! Das hab ich dir noch gar nicht erzählt: Ich bin einer, der sich immer für alles interessiert. Wenn wir irgendwo Urlaub machen, besorge ich mir immer Touristenführer, auch wenn meine Eltern lieber nur am Strand liegen. Dabei kann man so viel machen!“
„Eigentlich schon zu viel“, rollte Jannik mit den Augen. „Du wolltest eben noch was fragen …“
„Ähm … Ja … Ach so: Mir ist vorhin aufgefallen, dass du ständig stichelst. Ich meine, so verhält sich kein 17-Jähriger, oder? Ich will dich nicht angreifen, aber das Ganze finde ich schon etwas kindisch.“
Bevor er seinen Satz ganz zu Ende bringen konnte, grinste sein Kumpel schon von einem zum anderen Ohr.
„Fällt dir das jetzt erst auf? Ich dachte schon, du sprichst mich nie an. Spätestens nachdem wir schwimmen waren … Ohne dich jetzt erschrecken zu wollen: Ich kann dich echt gut leiden. Also, wirklich gut leiden. Nimm mal meinen Arm.“
Marcel nahm ihn.
„Siehst du die Gänsehaut? Das ist nicht, weil es kalt ist. Ich schwitze in diesem Ding. Es ist wegen dir.“
„Wegen mir?“ Marcel blieb die Spucke weg. „Was hab ich denn gemacht?“
„Du bist einfach da. Deine bloße Anwesenheit lässt mich nervös werden. Ich hatte gehofft, dich irgendwie mit meinen Sticheleien stutzig zu machen, aber das hat ja ganz schön gedauert.“
„Soll das heißen, dass du …?“
Jannik atmete tief ein und sagte dann frei heraus: „Ja, ich stehe auf Jungs. Du musst keine Angst haben. Ich ziehe dich nicht bei nächster Gelegenheit in eine dunkle Gasse.“
Marcel wusste nicht, was er sagen sollte. Sollte er überhaupt etwas sagen? Seine Gedanken kreisten und nach einer gefühlten Ewigkeit brachte er doch noch einen Satz heraus.

Ergebnis: Marcel überlegt sich, dass er Jannik etwas beichten muss.

Gebloggt von Marvin

03. August 2009 | 20:30 Uhr

2 Kommentare zu 'En vacances en France VII'

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  1. @Marvin: Ich muss mal wieder loswerden, dass mir dein Stil sehr gefällt. Die Geschichte ist toll! Bin schon auf kommenden Montag gespannt wie es weiter geht.

    Phillip

    4. Aug 09 at 10:59

  2. @ Phillip:
    Vielen Dank, ich bemühe mich, so gut es geht.

    Marvin

    4. Aug 09 at 20:53

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