someabout.net


Homophobie ist heilbar!



Queere Geschichten aus der Hauptstadt – Das Problem mit der Freundschaft (1)

4 Kommentare

Ich wage mich hiermit in die Welt der Geschichtenschreiber und hoffe, dass mein erster Versuch positiven Anklang bei euch findet. Fürs Erste habe ich eine dreiteilige Story geschrieben, die, wie der Titel schon sagt, von einer Freundschaft handelt. Doch mehr möchte ich nicht verraten, denn was es mit dieser Freundschaft auf sich hat, das findet ihr am besten selbst heraus. Lob, Kritik und was euch sonst so einfällt ist in den Kommentaren gern gesehen. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen. ;o]

In Gedanken verloren

Alex bei Nacht

“Alex bei Nacht”
Fotograf: Stephan H. | Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Freitagabend, kurz vor 21 Uhr. Es war noch ein wenig hell draußen, so wie für Sommerabende im August üblich. Sebastian stand auf seinem Balkon und rauchte eine Zigarette. Dabei ließ er seinen Blick in Richtung des Berliner Fernsehturmes schweifen.

Sebastian war seit knapp zwei Wochen 19 Jahre alt und wohnte seit gut einem Jahr in seinen eigenen vier Wänden. Er war eigentlich ein durchschnittlicher Jugendlicher, zumindest nach seinem Äußeren zu Urteilen. Dunkelbraunes, kurzes Haar – meist zu einem kleinen Iro gestylt. Braune Augen, circa 1,80 groß, schlank und leicht gebräunt. Sein Lächeln konnte einen schnell verzaubern, er selbst mochte es aber nicht so sehr. Er war nicht unbedingt auffällig, aber gewiss auch kein Mauerblümchen. Sebastian ging auf ein Oberstufenzentrum in Berlin, um dort sein Abitur nachzuholen. Da momentan aber Schulferien waren, stand nicht viel auf seinem Tagesplan. Lange schlafen und dann in den Tag hinein leben oder mit Freunden treffen. Alle paar Tage ging er auch einem Teilzeitjob in einem Callcenter nach, um sich zum Bafög noch ein paar Euro dazu zu verdienen.

Draußen waren es angenehme 21 Grad und der Himmel war fast frei von Wolken, so dass man am Horizont einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten konnte. Genau dies tat Sebastian, von seinen Freunden meist Basti genannt, auch gerade, als plötzlich das Handy klingelte. Vor Schreck ließ er seine gerade erst angesteckte Zigarette fallen, die nun 14 Stockwerke nach unten fiel. Noch während er dem Glimmstängel hinterher sah, griff er nach seinem Handy um abzunehmen.

»Ja?«, meldete er sich knapp. Er hatte nicht auf das Display geschaut, so dass er nicht wusste wer dran war.
»Hey Basti«, rief es aus dem Hörer. »Was treibst grad so?«
An der Stimme erkannte Basti sofort, dass es sich um seinen Schulkumpel Oliver handelte, der ein Jahr älter war als er. »Hi Olli«, antwortete er, während er sich wieder eine Zigarette anzündete. »Ich genieße den Ausblick und wollt mich gleich vor die Glotze hauen.«
»Ich hätte da eine bessere Idee«, entgegnete ihm Olli. »Hab grad mit Lars telefoniert und wir wollen heut Abend noch weggehen. Hättest nicht Lust mitzukommen?«
Basti überlegte kurz. »Hmm, wo wollt ihr denn hingehen?«, fragte er.
»Wissen wir noch nicht so recht. Aber als Treffpunkt ist schon Warschauer Straße ausgemacht, so gegen 22 Uhr. Da schauen wir dann mal, wohin es uns verschlägt.«
»Joar, warum nicht«, antwortete Basti. »Hab ja eh nichts weiter vor und könnt mal wieder raus hier aus meiner Bude.«
»Super!«, freute sich Olli. »Dann bis in einer Stunde. Warschauer, oben auf der Brücke am Kiosk.«
»Geht klar«, antwortete Basti und beide verabschiedeten sich voneinander.

Basti drückte seine Zigarette aus und begab sich ins Bad, um sich für den Abend fertig zu machen. Nach einer erfrischenden Dusche ging er, nur mit einem Handtuch bekleidet, zu seinem Kleiderschrank, öffnete ihn und überlegte, was er denn anziehen solle. Er entschied sich dann für eine dunkle Jeans und ein gelbgrünes, etwas engeres T-Shirt. Passend dazu eine grüne Retroshort für unten drunter. Es soll ja schließlich alles möglichst stimmig sein, dachte er sich. Man weiß ja nie, was kommt.

Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er sich beeilen musste, um pünktlich am Treffpunkt zu sein. Er hasste Unpünktlichkeit und vermied es daher, selbst zu spät zu kommen. So machte Basti sich schnell noch die Haare, legte sich Eau de Toilette auf und schnappte sich dann seine Umhängetasche. Schnellen Schrittes verließ er die Wohnung und ging zum S-Bahnhof.

Kurz vor 22 Uhr traf er am Bahnhof Warschauer Straße ein. Wie immer war noch keiner da. Das hat man nun wieder davon, wenn man pünktlich war, dachte Basti sich. Um sich die Zeit zu vertreiben zündete er sich eine Zigarette an und blickte Richtung Alexanderplatz. Er ließ seine Gedanken schweifen und dachte über sein Singleleben nach. Ach wenn es doch nur einfacher wäre. Es ist zwar nicht so schlimm Single zu sein, aber wenn man einen Schwarm hat, bei dem man nicht landen kann aber irgendwie wäre ein Partner an meiner Seite auch so schon schön …

Unsanft wurde Basti aus seiner Träumerei geweckt, als Olli, der ihn gerade erspäht hatte, laut nach ihm rief. »Hey Basti!« schallte es von links zu ihm rüber. Er drehte sich um und lief seinem Kumpel entgegen.
»Na du«, sagte Basti und beide umarmten sich zur Begrüßung.
»Sorry für die Verspätung«, entschuldigte sich Olli. »Hab dummerweise mein Handy vergessen und musste nochmal zurück.«
»Macht ja nichts«, antwortete Basti. »Waren ja nur ein paar Minuten. Wo ist eigentlich Lars?«
»Der kommt doch nicht. Hat sich vorhin wohl noch ziemlich mit seinem Freund gezofft.«
»Was?«, fragte Basti entsetzt. »Wieso das denn? Die waren doch wie ein Herz und eine Seele«, sagte er ungläubig.
»Weiß nicht recht. Hab nur die dicke Luft mitbekommen, als er mich unterwegs anrief um abzusagen«, meinte Olli. »Er war sehr kurz angebunden und meinte nur, wir sollten und einen schönen Abend machen.«
»Na hoffentlich kriegen die sich wieder ein«, entgegnete Basti.
»Wird schon werden. Wenn was ist, wird er sich schon melden«, meinte Olli etwas skeptisch.
»Bestimmt, mach dir kein Kopf. Er hat bisher jede Hürde gemeistert«, sagte Basti. »… und was machen wir nun?«
»Wie wär’s, wenn wir im Wolkenreich erstmal was trinken? Ich hab mal wieder Lust auf einen Frozen Erdbeer-Magarita«, schwärmte Olli. »Dort können wir uns ja immer noch überlegen, was wir machen wollen. Der Abend ist ja noch ziemlich jung.«

Basti stimmte zu und so begaben sich beide auf den Weg, um sich ein paar Straßen weiter im Wolkenreich niederzulassen. Dort angekommen nahmen sie an einem Tisch vor der Bar platz und bestellten zwei Frozen Erdbeer-Magarita.
Während beide auf ihren Drink warteten, versank Basti wieder in Gedanken. Doch noch ehe er einen wirklichen Gedanken fassen konnte, fragt Olli ihn, ob alles okay sei.
»Hmm? … Ja, alles in Ordnung«, antwortete er. »Hab’ nur grad was überlegt, nichts wichtiges.«
»Sicher? Du bist in letzter Zeit ziemlich oft geistesabwesend.«
»Ach, es ist …« Er stockte. Das ist definitiv der falsche Ort um ihn mit meinen Sorgen zu belästigen, dachte er. Wir sind hier um Spaß zu haben … »Nichts. Wirklich.«
Doch bevor Olli noch etwas sagen konnte, kamen die Getränke. Beide bedankten sich und Basti nippte an seinem Glas.
»Na gut«, meinte Olli. »Aber du weißt, wenn dir was auf dem Herzen liegt, kannst du es mir ruhig erzählen. Ich lass doch meinen Kumpel nicht hängen.«
Basti nickte. »Ich weiß, danke.«
Olli lächelte ihn an und erhob sein Glas in Bastis Richtung. Sie stießen an und tranken einen Schluck.
»Weißt du«, fing Olli an. »Ich bin echt froh dich zu kennen. Mit dir kann man einfach mal so ausgehen, ohne Hintergedanken. Einfach nur plaudern, gemütlich was trinken und vielleicht noch eine Runde feiern.«
»Stimmt«, meinte Basti etwas geknickt, was er versuchte, sich nicht anmerken zu lassen. »Nicht so wie mit Thomas, der ja jedes mal versucht mit dir in die Kiste zu steigen.« Beide lachten. »Dass er es aber auch ständig wieder versucht, find ich schon etwas nervig. Warum gehst du eigentlich immer wieder mit ihm aus?«
»Ach ich weiß nicht. Irgendwie ist er ja ein ganz netter Kerl, jedoch nicht mein Fall«, meinte Olli. »Aber mit wem wollte der eigentlich noch nicht in die Kiste? Ich mein, wenn noch andere bei sind, dann versucht er es bei denen auch. Und so lange er sich nicht übermäßig aufdrängt, soll es mir auch egal sein. Er hat sich eh schon ein paar Wochen nicht mehr mit mir verabredet – vielleicht hat er einen Stecher gefunden.« Er lachte. »Gibt’s bei dir eigentlich was Neues in Sachen Liebe?«, wechselte Olli das Thema. »Du erzählst ja darüber nichts von selbst.«
Basti seufzte und sah Olli unauffällig, aber verlegen an. »Naja, eigentlich nicht wirklich. Ich hab mich letzte Woche mit einem getroffen. Der war irgendwie auch total nett, aber … ach ich weiß nicht, nicht mein Fall. Ich glaube der wollte auch nur das eine.«
»Aber vielleicht würde dir DAS eine auch mal ganz gut tun«, meinte Olli lächelnd. »Nachher stirbst du mir noch, weil du zu wenig Sex hattest. Und mal ehrlich, das willst du doch auch nicht.«
»Ach du bist blöd«, sagte Basti etwas beleidigt, konnte sich aber ein Schmunzeln nicht verkneifen. »Aber ich kann doch nicht gleich beim ersten Treffen mit jemanden schlafen.«
»Warum nicht? Solange du immer nen Kondom dabei hast, sollte es da doch kein Problem geben. Du musst dir ja nicht gleich jeden Tag einen anderen suchen. Aber sei mal ehrlich, immer nur selbst einen Wichsen ist auf Dauer doch auch langweilig – oder hast du dir schon eine Sammlung an Sextoys zugelegt für mehr Spaß alleine?« Lachend und die Zunge raus streckend sah er Basti an.
»Heiß ich Olli?«, konterte er und lächelte.
»Touché!«, sagte Olli. »Mensch, mit diesem Lächeln kannst du so viele Jungs verzaubern.«
»Ja, ja. Das sagst du immer wieder, aber du weißt, dass ich es nicht mag. Ich find, dass es blöd aussieht.«
»Ach iwo, ich mag dein Lächeln. Und das mein ich ernst.«
»Hmm, na wenn du meinst«, sagte Basti etwas missmutig.
»Na komm, seh nicht immer alles so schwarz«, meinte Olli. »Wie sieht’s aus, magst noch einen Drink? Ich lad dich ein.« Er winkte schon die Bedienung zu sich, während Basti scheinbar noch am überlegen war.
»Ja, warum nicht«, antwortete er schließlich. »Danke!«
Nachdem Olli bestellt hatte, meldete er sich kurz für einen Toilettengang ab.

Basti nutzte die Gelegenheit, um sich wieder in seine Gedanken zu verlieren. Ach man! Er hat ja recht. Vielleicht sollte ich mir wirklich mal ein Sexdate suchen, um auf anderen Gedanken zu kommen. So schwer sollte das ja nicht sein … Ach das ist doch blöd, wenn man seine Gefühle unterdrücken muss, nur um der Freundschaft nicht zu schaden. Das würde mit Olli wahrscheinlich eh nicht gut gehen. Naja, was soll’s … Weiter träumend schaute er die Straße entlang und so bemerkte er nicht, wie Olli sich hinter ihn stellte.

(Fortsetzung folgt…)

Gebloggt von Max

17. Oktober 2009 | 19:22 Uhr

4 Kommentare zu 'Queere Geschichten aus der Hauptstadt – Das Problem mit der Freundschaft (1)'

Kommentare abonnieren mit RSS oder setze einen Trackback zu 'Queere Geschichten aus der Hauptstadt – Das Problem mit der Freundschaft (1)'.

  1. Toll geschrieben, freue mich schon auf die Fortsetzung.

    Phillip

    19. Okt 09 at 08:22

  2. Ich kann mich Phillip nur anschließen, ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung.
    Sehr schön geschrieben und auch gut gegliedert.

    Queer-Guy

    20. Okt 09 at 17:54

  3. Kann mich da nur anschließen. Bin gespannt auf die Fortsetzung(en). Zuerst dachte ich: “Oh Gott, schon wieder eine Geschichte nach dem Muster: 2 Jungs, 1 Homosexueller, Einer, der es noch nicht weiß und zack bumm … das Ende kennen wir”, aber es kam (und kommt hoffentlich) wirklich anders, klasse!
     
    (An die H’s: Der Editor für die Kommentare funktioniert übrigens scheinbar nicht im Opera (bei mir zumindest nicht), vielleicht wäre der WMD-Editor eine Alternative (funktioniert nach meinen Kenntnissen mit allen Browsern): http://c.hadcoleman.com/wordpress-plugins/wmd-editor-wordpress-plugin/)

    Phil

    20. Okt 09 at 21:24

  4. [...] nicht mehr oder noch nicht weiß, was zuvor eigentlich passiert ist, der kann sich schnell noch den ersten Teil [...]

Hinterlass' doch einen Kommentar!