“Don’t ask, don’t tell” am Ende?
Im Gerangel um die Frage, ob Präsident Obama nun den Nobel-Preis verdient hat oder nicht, wäre es fast untergegangen: In einer Rede beim jährlichen Dinner der Human Rights Campaign, der größten Interessenvertretung der Homosexuellen-Gemeinschaft in den USA, versprach er, mit der durch Bill Clinton 1993 eingeführten “Don’t ask, don’t tell“-Politik zu brechen.
„Don’t ask, don’t tell“ (”DADT”, zu deutsch.: „Frage nicht, sage nichts“) war Clintons Versuch, einen Kompromiss zwischen seinem im Wahlkampf ‘92 geäußerten Versprechen, künftig prinzipiell allen Amerikanern Zugang zu den Streitkräften zu verschaffen und der bis dato, diskreminierenden Haltung des US-Militär. Das Militärgesetz verbietet seitdem, gleichgeschlechtliche Beziehungen romantischer und/oder sexueller Art in der Öffentlichkeit zu führen. Weiterhin ist es Schwulen und Lesben während ihrer Dienstlaufbahn nicht gestattet, sich offen zu ihrer Sexualität zu bekennen und führt somit zur völligen Selbstverleumdung. DADT ist in der US-amerikanischen Gesellschaft mittlerweile ein Synonym für das Verschweigen der eigenen sexuellen Identität und für bewusstes Vermeiden dieser als Gesprächsthema geworden.
“Wir sollten patriotische Amerikaner nicht bestrafen, die sich bereiterklärt haben, dem Land zu dienen. Wir sollten ihre Bereitschaft honorieren, solchen Mut zu zeigen… ganz besonders, wenn wir in zwei Kriegen kämpfen.” Obama musste aber auch eingestehen, es wäre ja “kein Geheimnis, dass unser Vorankommen länger dauern könnte, als es uns lieb ist. [...] Ich respektiere, dass viele von Ihnen nicht daran glauben, dass der Fortschritt schnell genug gekommen ist, aber zweifeln Sie nicht an der Richtung, die wir eingeschlagen haben oder am Ziel, das wir erreichen wollen.”
Obamas Standpunkte waren indes dem Publikum wohl vertraut, hatte er diese doch unzählige Male im Wahlkampf geäußert. Einigen AktivistInnen wie Cleve Jones, dem Begründer der AIDS Memorial Quilt, geht dies aber nicht weit genug: “Obama hat eine brilliante Rede gehalten, aber sie beinhaltete nicht die Antwort auf die Frage, die wir uns am meisten stellen – die nach dem Wann. Er hat seine Versprechen wiederholt, die er uns schon früher gemacht hat, aber er hat nicht darauf hingewiesen, wann er diese Ziele vollenden würde und wir haben jetzt schon eine Weile gewartet…”
“Ich bin hier mit einer ganz einfachen Botschaft: Ich bin bei Ihnen in diesem Kampf”, sagte Obama.
Laut HRC wurden in den Jahren von 1994 bis 2007 wegen der DADT-Richtlinie 12.500 SoldatInnen aus dem amerikanischen Militärdients entlassen. In allen Staaten der Europäischen Union sowie unter anderem in Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, der Schweiz und Norwegen steht der Militärdienst übrigens homosexuellen Menschen gegenüber uneingeschränkt offen.



