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Homophobie ist heilbar!



Archiv für den Tag ‘Vorurteile’

“Ach ja, im Übrigen, Sie sind HIV-positiv…”

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Wie soll es weitergehen mit den HIV-Tests? Wie bisher – mit Beratung und expliziter Einwilligung? Oder zukünftig der HIV-Test als Bestandteil der “normalen Routine-Untersuchung”?

Mit diesen Wörtern veröffentlichte ondamaris heute einen Beitrag, der eine spannende Debatte erwarten lässt. Wir wollen uns mit einem kleinen Text an dieser Debatte beteiligen.

Derzeit wird der HIV-Test auf zwei verschiedene Weisen gehandhabt. In Deutschland ist es üblich, dass man sich vor dem Test beraten lässt und allgemein komplett selbst die Initiative ergreifen muss (”opt-in”). Das heißt: ein Gang zur örtlichen AIDS-Hilfe bzw. zum Hausarzt, und die explizite Bitte nach Beratung und Test. Diese Beratung umfasst auch ein Gespräch über die private und berufliche Situation und die möglichen Folgen hierfür im Falle eines positiven Test-Ergebnisses. Der Patient muss daher schon im Vorfeld selbst für das Thema sensibilisiert sein, damit er einen HIV-Test überhaupt für sich in Betracht zieht. Mehrheitlich nehmen daher eher nur Menschen die Möglichkeit eines Tests wahr, die zu einer der sog. “Risikogruppen” zählen.

Anders dagegen die Regelung in den USA. Dort sieht die Empfehlung der CDC (Zentrum f. Prävention u. Kontrolle vorrangig v. Infektionskrankheiten d. USA) vor, dass der HIV-Test im Rahmen der gewöhnlichen Routine-Untersuchung durchgeführt wird (”opt-out”). Das heißt, dass er auf gleicher Ebene mit einem Test auf Bluthochdruck o. Ä. steht. Man wird dabei einmalig über die Auswertung der Blutprobe in Bezug auf HIV informiert und kann dem zustimmen. Bei anschließenden Untersuchungen findet keine Beratung mehr statt und der Test wird ohne weitere Zustimmung durchgeführt.

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Manchmal hat das,
was wir nicht tun …

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„Manchmal hat das, was wir nicht tun genauso viel Kraft, wie das, was wir tun.”
Supervisory Special Agent Aaron Hotchner, Charakter aus Criminal Minds, amerik. TV-Serie

„Das sind mindestens -5000 Fahrenheit”
„Wir messen doch gar nicht in Fahrenheit…”
„Macht doch nichts, war ja auch nur ein Scherz …”

Es ist 7:10 Uhr und wir betreten das neue Schulgebäude. Gleich rechts von der Tür finden sich Mädchen aus unserer Klasse. Wir stellen uns schnell dazu und warten, bis es klingelt. Nach Schätzungen laufen wir 1056 Stufen hinauf und steuern Richtung Zimmer 256. Rechts von mir läuft eine gute Freundin, mit der ich jeden Morgen zur Schule fahre. Links sehe ich einen Klassenkameraden.

Schulflur -

„Sag mal hast du BRC gemacht? Hallo? Ähm …. Ignorierst du mich?” „Jaja…was? Achso. Ja, kannst gleich haben.” Ich wurde abgelenkt. Nicht etwa durch die schönen, langen, blonden Haare einer wunderschönen Schülerin aus der dreizehnten Klasse, die links vor mir lief. Nein, es war ihr Mitschüler, der neben ihr lief: Ein großer, junger Mann mit einem unglaublichen Lächeln, einer Stimme, die verzaubert und Augen, die sofort zum Träumen verleiten.

Vor Raum 256 angekommen gibt es die übliche Begrüßung der Menschen, die man mag. „Morgen.” „Moin.”

Der Raum neben uns ist von der Klasse belegt, in die “Er” geht.  Mit „Moin, na alles fit?” begrüßt mich Mahmoud, ein netter, witziger Moslem (Anmerkung: Ich würde es nicht schreiben, wenn es für die Story nicht von Wichtigkeit wäre). Um mich her rum steht noch meine Mitfahrerin und ein weiterer Schulfreund (nennen wir ihn Tino), mit dem ich schon die vier Jahre zuvor in eine Klasse ging.

„Siehst du die Schwuchtel da? Alter….wie der aussieht und tut.” „Klar…der ist mir auch schon aufgefallen. Der ist ja mal richtig schwuchtelig. Aber der hat ne Freundin … da läuft irgendwas schief.”, antwortet Tino auf Mahmouds Aussage, die mich etwas beunruhigte. „Ich kann Schwule auch nicht akzeptieren. Das ist doch nicht normal, oder? Was meinst du?” Ich war überrascht und geschockt zugleich, denn die Frage war an mich gerichtet.

„Ich….äh….naja. Ne, eigentlich nicht…jeder ist wie er ist.” Klar muss Tino auch seinen Senf dazugeben: „Ich hab ja auch nichts gegen Schwuchteln, aber die Schwuchtel da hinten ist die Spitze des Eisbergs…”

„Ja aber woran liegt’n das, was meinst du?” Ich überlegte, was ich sagen sollte. Sollte ich sagen, dass er „so Einen” vor sich hat? „Ich weiß nicht…vielleicht an den Genen…vielleicht an, … ach keine Ahnung!” Mahmoud stellt nochmal klar: „Ich werde Schwule niemals akzeptieren.” Die Lehrerin marschiert an, und der normale Schulalltag geht los.

Doch die Worte haben mich nicht losgelassen. „Ich werde Schwule niemals akzeptieren.” Und Tino willigte halbwegs ein, machte weiter Witze über Schwule und das Wort „schwul” ist in unserer Kabine beim Sport mittlerweile das Schimpfwort Nummer 1.

Mein Regenschirm - Sich verstecken?
Mein Regenschirm – Sich verstecken?

Meine Enttäuschung ist groß. Tino weiß, dass ich schwul bin. Und sagt in meiner Gegenwart dann doch sowas. Das verletzt, obwohl ich genau weiß, dass es nicht so gemeint ist.

Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.” (Lk 23,3) Obwohl ich kein „richtiger, bibeltreuer Christ” bin, halte ich mich an diesen Spruch. Menschen fürchten sich nun mal vor Unbekanntem, entwickeln Vorurteile und vermeiden das ihnen Unbekannte. Und auch die Erziehung (Anmerkung: Deshalb hatte ich vorhin explizit erwähnt, dass er Moslem ist. *) trägt einen entscheidenden  Teil zur Meinungsbildung bei. Bevor ich einen Ostdeutschen kennenlernte, hatte ich Vorurteile. Bevor ich mich das erste Mal richtig mit Schülern der Hauptschule unterhalten hatte, hatte ich Vorurteile.

Anstatt den Finger zu erheben und Toleranz und Akzeptanz zu predigen, versuche ich Menschen das Unbekannte ein Stück näher zu bringen. Und daraus entsteht dann wahre Akzeptanz.

Aber in diesem Moment war ich wie gelähmt. Ich laufe mit keiner Regenbogenflagge durch die Straßen und zeige der Welt, dass ich schwul bin. Aber dennoch habe ich bei aufkommenden Vorurteilen immer versucht, diese zu zerstreuen.

Als der Satz „Ich werde Schwule niemals akzeptieren” ausgesprochen wurde, war ich wie gelähmt. Noch nie war ich mit einem Menschen zusammengekommen, der eine derartige Einstellung hat. Ich konnte nichts sagen. Hatte vielleicht sogar ein bisschen Angst vor den Folgen, die aus meinem Statement hätten folgen können. Schlussendlich war ich nicht nur enttäuscht von Tino, sondern auch von mir selbst. Ich war feige.

Mach dir nicht die Mühe besser zu sein als deine Zeitgenossen oder Vorfahren, versuche nur besser zu sein als du selbst.Faulkner

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*= Das soll nicht bedeuten, dass alle Moslems und Muslima intolerant sind. Für viele muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger ist es nur ein Stück weiter schwieriger dies zu akzeptieren, wenn sie aus einem Land kommen, das Homosexualität nicht duldet. Bestimmt wird ein weiterer Artikel folgen, der diese Intoleranz noch einmal aufgreifen wird.

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Die Geschichte entspricht der Wahrheit. Lediglich Namen wurden verändert.

Foto 1: “Schulgang” von Xerenius / Pixelio.de | Foto 2: “Mein Regenschirm” von knipseline / Pixelio.de

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Hallo!
An dieser Stelle auch von mir ein kurzes „Hallo!”
Ich bin der Phil, 17 Jahre alt, Schüler und komme aus dem Norden Deutschlands. In den nächsten Monaten werde ich versuchen diesen Blog mit meinen kleinen Geschichtchen etwas zu bereichern.

To-Do-List: Schreibstil verbessern, sonst wird das nichts + vermeiden so vieeeeel zu schreibe + weniger von “–”

Gebloggt von Phil

01. Februar 2009 at 21:12